
Girard-Perregaux hat den erfahrenen Uhrenhersteller Marc Michel-Amadry zum neuen Geschäftsführer ernannt. Er soll das Tagesgeschäft leiten, während die Schweizer Marke einen branchenweiten Nachfragerückgang bewältigt. Michel-Amadry hat die neu geschaffene Position letzten Monat angetreten, so Patrick Pruniaux, Chief Executive Officer der Sowind Group und CEO der zu Sowind gehörenden Unternehmen Girard-Perregaux und Ulysse Nardin. Mit seiner umfassenden Erfahrung in der Uhrmacherei und seinen fundierten Kenntnissen der internationalen Märkte wird Michel-Amadry laut Pruniaux „weiterhin auf den Erfolgen der Marke aufbauen und gleichzeitig ihr Image und ihre Präsenz stärken“.
Dieser Schritt erfolgt, da der in La-Chaux-de-Fonds ansässige Uhrenhersteller mit einem schwierigen Markt zu kämpfen hat, der zu Umsatzeinbußen geführt und im Rahmen des Schweizer Kurzarbeitsprogramms für einige Mitarbeiter eine vorübergehende Arbeitszeitverkürzung erforderlich gemacht hat. Das Programm ermöglicht es Unternehmen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, um dauerhafte Entlassungen zu vermeiden.
Michel-Amadry war zuvor von 2017 bis Oktober letzten Jahres Chief Commercial Officer bei IWC. Er gab die neue Position kürzlich in einem LinkedIn-Beitrag bekannt. „Die Tiefe und der Reichtum der GP-Geschichte, die DNA der Marke, ständig innovativ zu sein und die Grenzen mechanischer Präzision im Laufe der Zeit zu erweitern, und das Streben, den wahren Geist einer unabhängigen Uhrenmanufaktur seit 1791 stets zu verkörpern, stimmen mich in meiner neuen Verantwortung demütig“, sagt Michel-Amadry in dem Beitrag.
Girard-Perregaux produzierte im Jahr 2024 rund 7.900 Uhren mit einem Umsatz von rund 63 Millionen Schweizer Franken, was einem Umsatzrückgang von rund 23 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, so Schätzungen von Morgan Stanley. Der Führungswechsel bei GP folgt einem ähnlichen Schritt bei Ulysse Nardin, einer Marke der Sowind Group. Der langjährige Geschäftsführer Matthieu Haverlan wurde im Februar 2024 zum Geschäftsführer des Uhrenherstellers ernannt, der vor allem für seine „Freak“-Kollektion bekannt ist.
Marc Michel-Amadry verfügt über einen beeindruckenden Lebenslauf, der sein tiefes Verständnis sowohl der Uhrmacherei als auch der Luxusbranche im Allgemeinen bezeugt. Seine ersten Berufsjahre verbrachte er beim renommierten Schweizer Juwelier und Uhrenhändler Gubelin, wo er sich Expertise im Luxusvertrieb und im Kundenbeziehungsmanagement aneignete. Diese Erfahrung vermittelte ihm ein grundlegendes Verständnis für den Endverbraucher und die differenzierten Ansprüche der ultrareichen Kundschaft, die den Kern des Luxusuhrenmarktes bildet.
Später wechselte Michel-Amadry zum Richemont-Konzern IWC Schaffhausen, einem der führenden Unternehmen der Branche, das für seine Kombination aus technischer Exzellenz und Marktkenntnis bekannt ist. Bei IWC stieg er bis zum Managing Director von IWC Nordamerika auf, wo er für die Leitung der Betriebsabläufe, Einzelhandelsstrategien und Marketinginitiativen in einem der wichtigsten Märkte der Marke verantwortlich war.
Diese Kombination aus Einzelhandelserfahrung und Führungsqualitäten in der Uhrmacherei befähigt Michel-Amadry, nicht nur die Wünsche von Uhrenliebhabern zu verstehen, sondern auch, welche Strategien weltweit funktionieren. Seine Zeit bei IWC, bekannt für seine disziplinierte Markenpositionierung und erfolgreichen Produkteinführungen, dürfte ihm auch bei Girard-Perregaux zugutekommen.
Der aktuelle Stand von Girard-Perregaux: Eine Marke am Wendepunkt
Girard-Perregaux, gegründet 1791, ist einer der ältesten Uhrenhersteller der Schweiz. Mit bahnbrechenden Kreationen wie dem Tourbillon mit drei Goldbrücken hat die Marke seit langem einen prestigeträchtigen Platz im Pantheon der Uhrmacherkunst eingenommen. Doch wie viele Traditionsmarken steht GP vor der doppelten Herausforderung, in einem sich schnell verändernden Markt relevant zu bleiben und gleichzeitig die Integrität seines uhrmacherischen Erbes zu bewahren.
In den letzten Jahren hat Girard-Perregaux mit modernen Modellen wie der Laureato experimentiert, die im Zuge der branchenweiten Renaissance von Sportuhren mit integriertem Armband wieder an Popularität gewonnen hat. Der Wettbewerb in diesem Segment ist jedoch hart, wobei Giganten wie die Royal Oak von Audemars Piguet und die Nautilus von Patek Philippe die Sammlerpräferenzen dominieren. Die anderen Kollektionen von Girard-Perregaux, wie die Bridges-Serie und die Cat’s Eye-Serie, demonstrieren die Kompetenz der Marke in der Haute Horlogerie, bleiben aber oft in einer Nische. Die Herausforderung für Michel-Amadry besteht darin, die Markenidentität zu schärfen, die Kohärenz aller Kollektionen zu gewährleisten und gleichzeitig Innovationen zu entwickeln, um neue Marktsegmente zu erschließen.
Strategische Ziele: Balance zwischen Tradition und Moderne
Branchenanalysten beobachten mit Spannung, wie Michel-Amadry mit seiner Ernennung mehrere strategische Prioritäten angehen wird:
Die Laureato-Kollektion neu beleben
Die Laureato, GPs Antwort auf die Kategorie der Luxus-Sportuhren, birgt erhebliches ungenutztes Potenzial. Obwohl das Modell in den letzten Jahren, insbesondere mit limitierten Editionen und Komplikationen, gut angenommen wurde, hinkt es den Ikonen dieser Kategorie noch hinterher. Michel-Amadry wird sich voraussichtlich darauf konzentrieren, die Marktpräsenz der Laureato durch gezielte Kampagnen, exklusive Editionen und potenzielle Kooperationen zu stärken.
Stärkung der globalen Einzelhandelspräsenz
Michel-Amadrys Einzelhandelserfahrung lässt vermuten, dass der Schwerpunkt auf dem Ausbau des Boutique-Netzwerks und der Präsenz von GP in Schlüsselmärkten wie Nordamerika, dem Nahen Osten und Asien liegen wird. Pop-up-Stores, Erlebnishandel und Partnerschaften mit Top-Händlern könnten in Sicht sein.
Digitales Engagement stärken
Die Pandemie hat die digitale Transformation der Uhrenbranche beschleunigt. Michel-Amadry wird voraussichtlich E-Commerce, Social-Media-Engagement und Online-Storytelling priorisieren, um jüngere Zielgruppen und neue Märkte zu erreichen.
Innovation und Komplikationen
Girard-Perregaux verfügt über das technische Know-how, um Komplikationen von Weltklasse zu produzieren. Zukünftige Produktstrategien könnten dies betonen, um die Position von GP bei anspruchsvollen Sammlern zu stärken.
Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung
Da Umwelt- und Ethikaspekte für Luxuskonsumenten immer wichtiger werden, könnte Michel-Amadry GP zu nachhaltigeren Praktiken führen, von verantwortungsvoller Beschaffung bis hin zu Initiativen für eine umweltfreundliche Produktion.
Branchenreaktionen: Vorsichtiger Optimismus
Die Reaktionen auf Michel-Amadrys Ernennung waren von vorsichtigem Optimismus geprägt. Branchenkenner würdigen seine Qualifikationen und halten seine Erfahrung bei IWC für besonders relevant. Die Transformation von IWC unter Richemont umfasste die Verfeinerung der Produktlinie, die Schärfung der Markengeschichte und den Ausbau der globalen Präsenz – ein Ansatz, der Girard-Perregaux zugutekommen könnte.
Darüber hinaus könnten Michel-Amadrys Verbindungen in der Branche strategische Partnerschaften, prominente Unterstützung und Kooperationen fördern, die im heutigen, extrem wettbewerbsintensiven Umfeld von entscheidender Bedeutung sind.
Es bleiben jedoch Herausforderungen bestehen. Der Markt für Luxusuhren entwickelt sich rasant, und der Wettbewerb durch traditionelle Konkurrenten und neue, unabhängige Marken nimmt zu. Gebrauchtuhrenmärkte, digitale Influencer und veränderte Konsumgewohnheiten bedeuten, dass die Strategien von gestern möglicherweise nicht den Erfolg von morgen garantieren.
Die Rolle der Sowind Group: Synergien und Unterstützung
Die Ernennung von Michel-Amadry muss unbedingt im Kontext der Sowind Group betrachtet werden, die auch Ulysse Nardin leitet. Synergien zwischen den beiden Marken könnten Skaleneffekte, gemeinsame Forschung und Entwicklung sowie markenübergreifende Kooperationen ermöglichen.
Sowohl GP als auch Ulysse Nardin verfügen über eine langjährige Erfahrung im Bereich der Marinechronometrie, die für gemeinsame Initiativen genutzt werden könnte. Die Unterstützung der Sowind Group bietet Michel-Amadry Ressourcen, die er zur Stärkung seiner Marketing-, Produktions- und Vertriebsaktivitäten nutzen kann.
Ein Blick in die Zukunft: Ein Fünfjahreshorizont
Die nächsten fünf Jahre werden für Girard-Perregaux entscheidend sein. Unter Marc Michel-Amadrys Führung erwarten wir mehrere wichtige Entwicklungen:
Vereinfachung der Produktlinie: Ein fokussierteres Produktangebot, das die Stärken von GP hervorhebt und schwächere Referenzen eliminiert.
Kooperationen und limitierte Editionen: Sondereditionen mit Künstlern, Designern oder anderen Luxusmarken sorgen für Aufsehen.
Neuauflagen historischer Uhren: Nutzung der umfangreichen Archive von GP, um historische Modelle mit modernen Akzenten neu zu gestalten.
Verbessertes Kundenerlebnis: Investitionen in Kundenbetreuung, Kundendienst und maßgeschneiderte Uhrmachererlebnisse.
Steigerung der Sichtbarkeit: Stärkere Präsenz auf großen Uhrenmessen, internationalen Veranstaltungen und digitalen Plattformen.
Die Ernennung von Marc Michel-Amadry zum Geschäftsführer von Girard-Perregaux markiert ein vielversprechendes neues Kapitel für den traditionsreichen Uhrenhersteller. Seine Kombination aus Einzelhandels-, operativer und strategischer Expertise versetzt ihn in die Lage, die komplexen Herausforderungen und spannenden Chancen der Zukunft zu meistern.
Im Erfolgsfall könnte Michel-Amadry Girard-Perregaux helfen, seinen rechtmäßigen Platz unter den führenden Schweizer Uhrenherstellern zurückzuerobern, indem er sein reiches Erbe mit einem frischen, zukunftsorientierten Ansatz verbindet. Sammler und Branchenbeobachter werden die Entwicklung dieser neuen Führungsära aufmerksam verfolgen.
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